Medizinische Beratung

Die Medizinische Beratung der KVMV berät Ärzte leitliniengerecht zu medizinischen, pharma- kologischen, wissenschaftlichen und verordnungsrelevanten Themen der ärztlichen Tätigkeit. Im Mittelpunkt steht die Verordnung von Leistungen zu Lasten der GKV entsprechend der gesetz- lichen Regelungen. Die Beratung der Verwaltung und des KV-Vorstandes, Gremienarbeit, Ent- wicklung von Arbeitshilfen und Öffentlichkeitsarbeit sind weitere Schwerpunkte der Abteilung.

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Arbeitsunfähigkeit

21.12.2022 | Arbeitsunfähigkeit
Telefonische Krankschreibung verlängert

Vertragsärzte können Patientinnen und Patienten, die an leichten Atemwegserkrankungen leiden, weiterhin telefonisch bis zu 7 Kalendertagen arbeitsunfähig schreiben. Mehr lesen...

19.12.2022 | Arbeitsunfähigkeit
Arbeitgeber müssen AU-Daten bei Krankenkassen abrufen

Ab dem 1. Januar 2023 sind Arbeitgeber dazu verpflichtet, die Arbeitsunfähigkeitsdaten ihrer gesetzlich versicherten Mitarbeiter elektronisch bei den Krankenkassen abzurufen. Mehr lesen...

1. Allgemeine praxisrelevante Paragraphen des SGB V

Krankengeld (§§ 44-52)

2. Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses

Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie

Die Bescheinigung von Arbeitsunfähigkeit ist für den Versicherten von großer arbeitsrechtlicher, sozialversicherungsrechtlicher und wirtschaftlicher Relevanz. Mit der Arbeitsunfähigkeits-Richtlinie (AU-RL) werden bundeseinheitliche Festlegungen getroffen, um entsprechend dieser Bedeutung und zur korrekten Anwendung der Vorgaben des SGB V Arbeitsunfähigkeit festzustellen und zu bescheinigen.

Die elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU)

 Die eAU (Vordruck e01) ist die digitale Form der bisherigen papiergebundenen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Seit 1. Januar 2022 ist der Versand der eAU an Krankenkassen verpflichtend und seit 1. Januar 2023 stellen die Krankenkassen den Arbeitgebern die AU-Daten elektronisch zur Verfügung. Das korrekte Ausfüllen der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (Vordruck e01) ist Voraussetzung für die Erlangung der gesetzlich festgelegten Leistungen. Detailfragen zu diesem Vordruck finden Sie in den Erläuterungen zur Vordruckvereinbarung (siehe oben).

Die Formatvorlage wird im Praxisverwaltungssystem ausgefüllt, signiert und elektronisch an die Krankenkassen übermittelt. Die Krankenkassen stellen die Arbeitsunfähigkeitsdaten den Arbeitgebern digital zum Abruf bereit. Patienten sind weiterhin dazu verpflichtet, ihren Arbeitgeber über ihre Krankschreibung zu informieren. Eine DIN A4 oder DIN A5-Papierbescheinigung wird im Regelfall nur noch für den Patienten ausgedruckt.

In Ausnahmefällen können Arztpraxen die AU-Bescheinigungen für Arbeitgeber auf Wunsch des Patienten weiterhin ausdrucken und unterschreiben.

Die Feststellung und Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit erfolgt nur auf Grund einer ärztlichen Untersuchung. Hierbei ist der körperliche, geistige und seelische Gesundheitszustand zu berücksichtigen.

Die Arbeitsunfähigkeit wird auf dem Vordruck e01 für die Zeit des Anspruchs auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall bescheinigt.

Wenn nach dieser Zeit weiterhin Arbeitsunfähigkeit besteht, wird diese ebenfalls auf Vordruck e01 bescheinigt.
Diese Bescheinigung muss, wenn sich der Patient in stationärer Behandlung befindet und die Ausstellung notwendig wird, der zuständige Krankenhausarzt ausfüllen.

Die Arbeitsunfähigkeit auf Vordruck e01 soll nicht für einen Zeitraum vor der ersten Inanspruchnahme datiert werden. Eine rückwirkende Bescheinigung bis zu 3 Tagen ist nur ausnahmsweise zulässig.

Liegt an arbeitsfreien Tagen eine Arbeitsunfähigkeit vor, ist sie auch für diese Tage zu bescheinigen.

Die Dauer der Arbeitsunfähigkeit soll nicht für mehr als zwei Wochen im Voraus bescheinigt werden. Aus Gründen, die in der Krankheit oder einem besonderen Krankheitsverlauf liegen, darf die Arbeitsunfähigkeit für die Dauer von einem Monat im Voraus attestiert werden.

  • Eine Erkrankung führt dazu, dass die zuletzt ausgeführte Tätigkeit nicht mehr oder unter der Gefahr der Verschlimmerung dieser ausgeführt werden kann.
  • Es liegt ein Krankheitszustand vor, der alleinig noch kein Grund für eine Arbeitsunfähigkeit darstellt, der aber bei weiterer Ausübung der Tätigkeit zur Arbeitsunfähigkeit führen wird.
  • während stufenweiser Wiedereingliederung
  • bei befristeter Eingliederung eines arbeitsunfähigen Versicherten in eine Werkstatt für behinderte Menschen.
  • während Arbeitstherapie und Belastungserprobung

Diese Richtlinie gilt für alle Versicherte der GKV.
Spezielle Bewertungen sind bei folgenden Versicherten zu beachten:

  • arbeitslose Hartz-IV-Empfänger:
    Diese sind dann arbeitsunfähig, wenn sie krankheitsbedingt nicht in der Lage sind, mindestens 3 Stunden täglich zu arbeiten oder an einer Eingliederungsmaßnahme teilnehmen können (Änderungsbeschluss des B-BA, wirksam seit 08.09.2012).
  • Rentner, wenn sie eine Erwerbstätigkeit ausüben
  • Versicherte ohne Ausbildungsberuf (An- und Umgelernte), deren Beschäftigungsverhältnis nach Eintritt der Arbeitsunfähigkeit endet:
    Arbeitsunfähigkeit besteht nur dann, wenn sie die letzte oder eine ähnliche Tätigkeit nicht mehr ausüben können oder die Weiterbeschäftigung die Gefahr der Verschlimmerung der Krankheit in sich birgt.
  • behinderte Menschen mit einem Beschäftigungsverhältnis in Werkstätten für behinderte Menschen oder Blindenwerkstätten
  • weiterhin für Versicherte bei Durchführung von:
    • medizinischen Maßnahmen zur Herbeiführung einer Schwangerschaft
    • durch Krankheit erforderlicher Sterilisation
    • nach Voraussetzung des § 218 Abs 1 StGB (Beratungsregelung) durchgeführtem Schwangerschaftsabbruch
    • Dialyse und extrakorporaler Apherese, wenn diese nur während der Arbeitszeit möglich ist und nur für den Zeitraum von Anfahrt, Behandlungsdauer und Nachruhe
    • von Reparatur oder Ersatz von Hilfsmittel, die für die Tätigkeit oder für das Erreichen des Arbeitsplatzes notwendig sind (z.B. Rollstuhl, Prothesen u.a.)
  • Betreuung eines erkrankten Kindes
  • Inanspruchnahme von Heilmitteln
  • sonstige Arztkonsultationen
  • ambulante und stationäre Vorsorge- und Rehabilitationsleistungen (außer es bestand vor der Maßnahme Arbeitsunfähigkeit oder eine interkurrente Erkrankung tritt bei der Maßnahme ein)
  • bei Beschäftigungsverboten nach Infektionsschutzgesetz oder Mutterschutzgesetz
  • bei Organspenden
  • nicht krankheitsbedingte Eingriffe (z.B. kosmetische Operationen, Sterilisation aus anderen Gründen)

Mit Wirkung ab 28. Januar 2014 wurden die Arbeitsunfähigkeits-Richtlinien durch einen Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) geändert:

Arbeitslose schwangere Frauen

Arbeitslose schwangere Frauen sind dann arbeitsunfähig, wenn sie ohne Gefährdung für sich oder das ungeborene Kind nicht in der Lage sind, leichte Arbeiten in einem zeitlichen Umfang von mindestens 15 Stunden wöchentlich auszuüben.

Organ- und Gewebespender, Blutstammzellspender

Sowohl gesetzlich als auch nicht gesetzlich krankenversicherte Spender von Organen oder Geweben haben einen Anspruch auf Krankengeld, wenn eine im Rahmen des Transplantationsgesetzes erfolgende Spende von Organen oder Geweben sowie von Blutstammzellen (Blutstammzellenspende wie auch Knochenmarkspende) an Versicherte sie arbeitsunfähig macht.

Der Beschluss zur Änderung und die tragenden Gründe sind im Internetangebot des G-BA nachzulesen.

Der Arzt ist verpflichtet, dem Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) innerhalb von drei Werktagen auf Anfrage Auskunft zu erteilen und krankheitsspezifische Unterlagen bereitzustellen, sofern diese für die Erfüllung der gesetzlichen Aufgaben des MDK notwendig sind.

Das Gutachten des MDK ist grundsätzlich verbindlich.

Der behandelnde Arzt hat bei Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Beurteilung der Arbeitsunfähigkeit durch den MDK das Recht, unverzüglich nach Kenntnisnahme des Gutachtens schriftlich bei der zuständigen Krankenkasse den Antrag auf ein Zweitgutachten zu stellen.

Die Krankenkassen können auf vereinbarten Vordrucken Anfragen beim behandelnden Arzt nach frühestens 21 Tagen Arbeitsunfähigkeit eines Patienten stellen. Diese sind innerhalb von 3 Werktagen zu beantworten.

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