Medizinische Beratung

Die Medizinische Beratung der KVMV berät Ärzte leitliniengerecht zu medizinischen, pharma- kologischen, wissenschaftlichen und verordnungsrelevanten Themen der ärztlichen Tätigkeit. Im Mittelpunkt steht die Verordnung von Leistungen zu Lasten der GKV entsprechend der gesetz- lichen Regelungen. Die Beratung der Verwaltung und des KV-Vorstandes, Gremienarbeit, Ent- wicklung von Arbeitshilfen und Öffentlichkeitsarbeit sind weitere Schwerpunkte der Abteilung.

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Heilmittel

21.01.2021 | Heilmittel
Neue Heilmittel-Richtlinie ab Januar 2021: Das ist neu!

Die neue Heilmittel-Richtlinie (HM-RL) ist zum 1. Januar 2021 in Kraft getreten. Zu den wesentliche Neuerungen zählen z.B. das Muster 13, der neue Verordnungsfall mit orientierender Behandlungsmenge und der vereinfachte Heilmittelkatalog. Mehr lesen...

Hinweise zur Heilmittel-Richtlinie

Die Heilmittel-Richtlinie (HeilM-RL) regelt die Verordnungsfähigkeit von Heilmitteln in der vertragsärztlichen Versorgung. Sie wird vom Gemeinsamen Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen (G-BA) beschlossen.

Heilmittel sind:

  • Maßnahmen der Physiotherapie,
  • Maßnahmen der Podologischen Therapie,
  • Maßnahmen der Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie,
  • Maßnahmen der Ergotherapie,
  • Maßnahmen der Ernährungstherapie.

Die Heilmittel-Richtlinie gliedert sich in:
Teil 1 – Richtlinientext
Teil 2 – Heilmittelkatalog (Zuordnung der Heilmittel zu Indikationen).

Richtlinientext
Hierin werden im Wesentlichen die Grundsätze der Heilmittelverordnung, Fragen der Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Physiotherapeuten geregelt sowie grundsätzliche Erläuterungen zu den einzelnen Heilmitteln gegeben.

Heilmittelkatalog
Der Heilmittelkatalog gibt die Zuordnung von Indikationen, Diagnosegruppen inklusive ihrer unterschiedlichen Leitsymptomatik zu den Heilmittelverordnungen hinsichtlich möglichem Heilmittel, dessen Kombinationen mit einem ergänzenden Heilmittel und der Verordnungsmenge vor.

Sie suchen aktuelle Informationen zur Heilmittel-Vereinbarung, Richtgrößen-Vereinbarung, den Richtgrößen oder das Archiv der Heilmittel- und Richtgrößen-Vereinbarungen? Diese finden Sie im passwortgeschützten Mitgliederbereich (KV-SafeNet-Portal) unter dem Menüpunkt Download > Verträge und Vereinbarungen.

Grundsätze der Heilmittelverordnung

Die Verordnung der Heilmittel erfolgt seit dem 1. Januar 2021 auf dem neuen Muster 13. Dieser Vordruck gilt für die Heilmittelbereiche Physiotherapie, Podologie, Ergotherapie, Ernährungstherapie, Stimm,- Sprech,- Sprach- sowie Schlucktherapie. Bislang waren hierfür drei verschiedene Vordrucke (Muster 13, 14 und 18) erforderlich. Auf dem Formular ist anzugeben, für welchen Heilmittelbereich die Verordnung ausgestellt wird.

Eine Ausfüllhilfe (Auszug aus der Vordruckvereinbarung) finden Sie im Internetangebot der KBV.

  • Vorliegen einer Indikation zur Anwendung von Heilmitteln.
    Diese ergibt sich nicht allein aus der Diagnose, sondern aus einer Gesamtbetrachtung der funktionellen/strukturellen Schädigung, der Beeinträchtigung der Aktivitäten(Fähigkeitsstörung) unter Berücksichtigung der individuellen Kontextfaktoren in Bezug auf die Person und das Umfeld.
  • Kontrolle des Zustandes des Patienten und Dokumentation, Erfragen der persönlichen Lebenssituation, falls nicht bekannt (gilt auch für die Folgeverordnung)
  • Beachtung des geforderten Wirtschaftlichkeitsprinzips (Eigenübungsprogramm, allgemeine sportliche Betätigung, Änderung der Lebensführung, Hilfsmittelversorgung, Arzneimittelverordnung), s. § 9 HeilM-RL
  • Entscheidung vorab, sofern Einzeltherapie medizinisch nicht zwingend notwendig ist, ob wegen der gruppendynamisch gewünschten Effekte oder im Sinne des Wirtschaftlichkeitsgebots Gruppentherapie verordnet werden kann

Mit der Behandlung ist innerhalb von 28 Tagen zu beginnen. Der Arzt kann einen dringlichen Bedarf (innerhalb von 14 Tagen) auf der Verordnung vermerken. Dafür wurde ein Feld geschaffen, welches angekreuzt werden kann, wenn die Erkrankung einen früheren Behandlungsbeginn erfordert.

Wird die Behandlung länger als 14 Kalendertage ohne angemessene Begründung unterbrochen, verliert die Verordnung ihre Gültigkeit. Dies gilt nicht für Verordnungen der podologischen Therapie und Ernährungstherapie.

Heilmittel können verordnet werden als Behandlung beim Therapeuten oder im Rahmen eines Hausbesuches durch den Therapeuten.
Die Verordnung von Heilmittelerbringung außerhalb der Praxis des Therapeuten ist nur dann zulässig, wenn:

  • der Patient aus medizinischen Gründen den Therapeuten nicht aufsuchen kann,
  • die Therapie außerhalb der Praxis aus medizinischen Gründen zwingend notwendig ist.

Die Behandlung in einer Einrichtung (z.B. tagesstrukturierende Fördereinrichtung) allein ist keine ausreichende Begründung für die Verordnung eines Hausbesuches (§11 HeilM-RL, Abs. 2, Satz 2).
Wunschvorstellungen oder organisatorische Probleme sind kein Grund für die Verordnung eines Hausbesuches.

Liegen medizinische Gründe vor, kann der Arzt auch in einer Einrichtung einen Hausbesuch durch den Therapeuten verordnen. Dies sollte in jedem Einzelfall durch den Arzt sorgfältig geprüft und in den ärztlichen Aufzeichnungen dokumentiert werden.

Ohne Verordnung eines Hausbesuches ist die Behandlung außerhalb der Praxis des Therapeuten ausnahmsweise für Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr, ggf. darüber hinaus bis zum Abschluss der bereits begonnenen schulischen Ausbildung möglich, die ganztägig in einer auf deren Förderung ausgerichteten Tageseinrichtung untergebracht sind.

ACHTUNG! GENERELL KEINE VERORDNUNG VON HEILMITTELN,
wenn störungsspezifische, pädagogische, heilpädagogische oder sonderpädagogische Maßnahmen zur Beeinflussung von Schädigungen geboten sind. Sind solche Maßnahmen nicht durchführbar, dürfen Heilmittel nicht an deren Stelle verordnet werden = VERORDUNGSAUSSCHLUSS VON HEILMITTELN nach § 6, Absatz 2, Satz 3 HeilM-RL!

Zu beachten ist:

  • ein enges Zusammenwirken, um eine ausreichende, zweckmäßige, das Maß des Notwendigen nicht überschreitende Therapie entsprechend § 70 SGB V zu sichern,
  • die unverzügliche Information des Vertragsarztes, wenn sich bei der Behandlung ergibt, dass ein Patient in vorab nicht abschätzbarer Weise auf die Behandlung reagiert sowie bei Abbruch der Behandlung – Entscheidung erfolgt dann durch den Arzt über Änderung, Ergänzung des Therapieplanes, neue Verordnung oder Beendigung der Behandlung

Die Verordnung von Heilmitteln zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen ist nur dann möglich, wenn diese notwendig sind, um

  • eine Krankheit zu heilen, ihre Verschlimmerung zu verhüten oder Krankheitsbeschwerden zu lindern,
  • eine Schwächung der Gesundheit, die in absehbarer Zeit voraussichtlich zu einer Krankheit führen würde, zu beseitigen,
  • einer Gefährdung der gesundheitlichen Entwicklung eines Kindes entgegenzuwirken oder
  • Pflegebedürftigkeit zu vermeiden oder zu vermindern.

Sie kann nur nach Maßgabe der Heilmittel-Richtlinie (HeilM-RL) unter Beachtung der Kontraindikationen erfolgen.

Standardisierte Heilmittelkombinationen (D)
Diese dürfen nur dann verordnet werden, wenn komplexe Schädigungsbilder bestehen, die einer intensiven Heilmittelbehandlung bedürfen, und das synergistische Zusammenwirken der Heilmittelkombinationen nutzbringend ist.

Die Erbringung dieser muss im direkten zeitlichen und örtlichen Zusammenhang erfolgen.

Eine Verordnung von Heilmitteln aus verschiedenen Abschnitten des Heilmittelkataloges, z.B. gleichzeitiges Verordnen von Physikalischer Therapie und Ergotherapie, ist bei entsprechender Indikation zulässig. Diese muss auf getrennten Verordnungsvordrucken erfolgen.

Es gibt einen Verordnungsfall und daran gebunden eine sogenannte orientierende Behandlungsmenge. Diese lösen die bisherige Regelfallsystematik ab. Es entfällt die Notwendigkeit, zwischen Erstverordnung, Folgeverordnung und Verordnung außerhalb des Regelfalls zu unterscheiden.

Ein Verordnungsfall umfasst alle Heilmittelbehandlungen für eine Patientin oder einen Patienten aufgrund derselben Diagnose (d.h. die ersten drei Stellen des ICD-10-GM-Codes sind identisch) und derselben Diagnosegruppe nach Heilmittelkatalog. Es können weitere Verordnungsfälle ausgelöst werden, wenn mehrere voneinander unabhängige Diagnosen derselben oder unterschiedlicher Diagnosegruppen auftreten. Ein Verordnungsfall bezieht sich immer auf den verordnenden Arzt. Somit erfolgt auch die Bemessung der orientierenden Behandlungsmenge immer arztbezogen.
Ein halbes Jahr nach der zuletzt ausgestellten Verordnung endet ein Verordnungsfall. Das bedeutet, falls das Datum der letzten Verordnung sechs Monate oder länger zurück liegt, wird ein neuer Verordnungsfall ausgelöst. Somit ist nicht mehr das Datum der letzten erfolgten Behandlung, sondern das Datum der letzten Verordnung durch den Arzt für die Bemessung maßgeblich.

Die Formulierung „orientierende Behandlungsmenge“ soll hervorheben, dass sich der Arzt bei der Heilmittelverordnung an dieser Menge orientiert, aber je nach medizinischem Bedarf des Patienten davon abweichen kann. Bei Überschreitung ist eine Begründung auf der Verordnung nicht erforderlich. Die Dokumentation mit den individuellen medizinischen Gründen erfolgt in der Patientenakte.

Für die Heilmittelbereiche Podologische Therapie und Ernährungstherapie sind keine orientierenden Behandlungsmengen festgelegt.

Höchstmenge je Verordnung
Die zulässige Höchstmenge an Behandlungseinheiten je Verordnung ist im Heilmittelkatalog festgelegt (z.B. Wirbelsäulenerkrankungen max. 6 Einheiten je Verordnung).

Abschaffung des „behandlungsfreien Intervalls“
Seit 1. Januar 2021 entfällt das sogenannte „behandlungsfreie Intervall“. Das bedeutet, eine kontinuierliche Behandlung ohne vorherige Genehmigung der Krankenkasse ist somit möglich. War die Gesamtbehandlungsmenge des „Regelfalls“ ausgeschöpft, unterlag die kontinuierliche Weiterbehandlung (Verordnung „außerhalb des Regelfalls“) dem Genehmigungsvorbehalt der Krankenkasse. Mit der Einführung der Verordnungsfallsystematik muss nach Erreichen der orientierenden Behandlungsmenge die Notwendigkeit einer weiterführenden Therapie in der Patientenakte dokumentiert werden.

Ist die Frequenz (Anzahl pro Woche) stets anzugeben?
Ja.

Was ist ein Verordnungsfall?
Ein Verordnungsfall bezieht sich immer auf denselben behandelnden Arzt und umfasst alle Heilmittelbehandlungen für einen Patienten aufgrund derselben Diagnose (d.h. die ersten drei Stellen des ICD-10-GM-Codes sind identisch) und derselben Diagnosegruppe nach Heilmittelkatalog. Dies gilt auch, wenn sich innerhalb des Verordnungsfalles die Leitsymptomatik ändert oder unterschiedliche Heilmittel zum Einsatz kommen. Es können mehrere Verordnungen im Rahmen eines Verordnungsfalles getätigt werden.

Wann beginnt und endet ein neuer Verordnungsfall?
Ein Verordnungsfall beginnt mit der Ausstellung einer neuen Verordnung und endet ein halbes Jahr nach der zuletzt ausgestellten Verordnung. Das bedeutet, falls das Datum der letzten Verordnung sechs Monate oder länger zurück liegt, wird ein neuer Verordnungsfall ausgelöst.

Ist ein Verordnungsfall arztbezogen? Wie ist die Regelung für BAGs?
Ja, ein Verordnungsfall bezieht sich neuerdings immer auf den verordnenden Arzt, auch bei BAGs. Es erfolgt auch die Bemessung der „Orientierenden Behandlungsmenge“ immer arztbezogen.

Was bedeutet „Orientierende Behandlungsmenge“?
Die „Orientierende Behandlungsmenge“ definiert die Summe der Behandlungseinheiten, mit der das angestrebte Therapieziel in der Regel erreicht werden kann. Diese ergibt sich indikationsbezogen aus dem Heilmittelkatalog und entspricht der Gesamtverordnungsmenge des Regelfalls. Mit dem Wegfall der Verordnung außerhalb des Regelfalls entfällt auch das entsprechende Genehmigungsverfahren, welches die Krankenkassen verlangten.

Erfolgt ein Hinweis in der Verordnungssoftware, wenn die „Orientierende Behandlungsmenge“ überschritten wird?
Ja, die Software weist den Anwender daraufhin, sobald mit dem eingegebenen Wert der Behandlungseinheiten die vorgegebene „Orientierende Behandlungsmenge“ überschritten wird.

Was muss nach Erreichen der "Orientierenden Behandlungsmenge" bei weiteren Verordnungen beachtet werden?
Die Formulierung „Orientierende Behandlungsmenge“ soll hervorheben, dass sich der Arzt bei der Heilmittelverordnung an dieser Menge orientiert, aber je nach medizinischem Bedarf des Patienten davon abweichen kann. Für Verordnungsfälle, bei denen die "Orientierende Behandlungsmenge" überschritten wird, ist keine Begründung auf der Verordnung erforderlich. Eine Dokumentation mit den individuellen medizinischen Gründen in der Patientenakte für den höheren Heilmittelbedarf ist ausreichend.

Gibt es eine Höchstverordnungsmenge je Verordnung?
Wie bisher ist eine Höchstverordnungsmenge an Behandlungseinheiten je Verordnung festgelegt, z.b. bei WS: Höchstmenge 6x/VO.

Ist weiterhin ein behandlungsfreies Intervall von zwölf Wochen erforderlich, bevor eine erneute Verordnung ausgestellt werden darf?
Nein, es entfällt das sogenannte „behandlungsfreie Intervall“. Das bedeutet, eine kontinuierliche Behandlung ohne vorherige Genehmigung der Krankenkasse ist möglich. Das Datum der letzten Heilmittelverordnung ist entscheidend. Liegt es noch keine sechs Monate zurück, wird der bisherige Verordnungsfall fortgeführt. Die „Orientierende Behandlungsmenge“ gilt ebenfalls fort, wobei auch darüber hinaus verordnet werden kann, wenn es medizinisch erforderlich ist.

Liegt das Datum sechs Monate oder länger zurück, wird ein neuer Verordnungsfall ausgelöst. 

Beispiel: Der Arzt hat zweimal aufeinander folgend je sechs Einheiten Krankengymnastik verordnet. Die Behandlung ist abgeschlossen und der Patient ist zufrieden. Der Patient kommt dann aber nach drei Wochen wieder in die Praxis mit denselben Beschwerden und benötigt nochmals Physiotherapie. -> Es ist dann noch derselbe Verordnungsfall!

Der Arzt muss lediglich bei Überschreitung der „Orientierenden Behandlungsmenge“ darauf achten, die Gründe dafür in der Patientenakte zu dokumentieren.
Ein Verordnungsfall endet sechs Monate nach dem Verordnungsdatum, sofern der Arzt in dieser Zeit keine weitere Verordnung aufgrund derselben Erkrankung für denselben Patienten ausstellt.

Ist das Lipödem als Indikation für eine Lymphdrainage ausreichend?
Im Zuge der Anpassungen der HM-RL ist das Lipödem seit 01.01.2020 als Indikation für eine MLD ausreichend.

Sind standardisierte Heilmittelkombinationen kombinierbar?
Standardisierte Heilmittelkombinationen sind nicht mit anderen vorrangigen Heilmitteln kombinierbar.

Was bedeutet die Einführung der Blankoverordnung?
Die Einführung der Blankoverordnung ist noch nicht abschließend geregelt. Voraussichtlich besteht frühstens ab dem 2. Quartal 2021 die Möglichkeit bei bestimmten Indikationen (auf Grundlage § 125a SGB V Heilmitteltherapie) für Heilmittel eine Blankoverordnung auszustellen. Der Heilmittelerbringer entscheidet dann selbstständig über Auswahl und Dauer der Therapie sowie die Frequenz der Behandlungseinheiten. Die Verantwortung für die Wirtschaftlichkeit von Verordnungen liegt dann bei den Therapeuten. Im Falle einer Wirtschaftlichkeitsprüfung werden sie aus dem ärztlichen Verordnungsvolumen herausgerechnet.

Wird das Rezept ungültig, falls ein Leistungserbringer den dringlichen Behandlungsbedarf innerhalb von 14 Tagen nicht gewährleisten kann?
Ja, nach Ablauf der 14 Tage verliert die Verordnung ihre Gültigkeit.

Wie erfolgt der Bezug des Verordnungsformulars (neues Muster 13)?
Bitte bestellen Sie das neue Muster 13 über das KV-SafeNet-Portal, per E-Mail: iv@kvmv.de oder telefonisch über die Post- und Formularstelle, Tel.: 0385.7431 351.

Dürfen verschiedene Diagnosegruppen zusammen auf einer Verordnung (z.B. WS-Erkrankung und Coxarthrose) verordnet werden?
Wenn im zeitlichen Zusammenhang mehrere, voneinander unabhängige Erkrankungen mit denselben oder anderen Diagnosegruppen auftreten, können weitere Verordnungsfälle ausgelöst werden, für die jeweils separate Verordnungen auszustellen sind.

Was dürfen Therapeuten selbstständig auf Heilmittelverordnungen ändern?
Die Anlage 3 der Heilmittel-Richtlinie stellt die Anforderungen der §§ 13 und 16 in einer Übersicht zusammen. In der Tabelle ist dargestellt, in welchen Fällen von unvollständigen oder fehlerhaften Angaben auf der Verordnung gemäß Heilmittel-Richtlinie eine Änderung notwendig ist und in welcher Form diese Änderung erfolgen muss. Sofern Änderungen eine neue Unterschrift durch die Verordnerin oder den Verordner erfordern, sind diese mit Datumsangabe auf der Verordnung vorzunehmen.

Gibt es weiterhin einen „Langfristigen Heilmittelbedarf“?
Ja, es gibt weiterhin einen „Langfristigen Heilmittelbedarf“. Das bedeutet, der Heilmittelbedarf für eine Behandlungsdauer von 12 Wochen ist verordnungsfähig. Sofern eine Diagnose der Anlage 2 der Heilmittel-Richtlinie oder ein sogenannter "Besonderer Verordnungsbedarf" vorliegt, bedarf es keiner weiteren Genehmigung durch die zuständige Krankenkasse. Die Dokumentation der notwendigen ICD-10-GM-Codes auf der Verordnung ist ausreichend.

Wenn der Patient eine Erkrankung aufweist, die mit einer langfristigen Schädigung vergleichbar ist, muss der „Langfristige Heilmittelbedarf“ von der Krankenkasse genehmigt werden.

Können Behandlungseinheiten zusammengelegt werden?
In medizinisch begründeten Ausnahmefällen kann dasselbe Heilmittel auch als zusammenhängende Behandlung (Doppelbehandlung) verordnet und erbracht werden. Dies gilt nicht für ergänzende Heilmittel, standardisierte Heilmittelkombinationen und Podologie. Im Bereich der Ernährungstherapie dürfen mehrere Einheiten pro Tag erbracht werden, sofern dies therapeutisch notwendig ist.

Wie erfolgt die Angabe der Leitsymptomatik auf der Verordnung?
Es können mehrere unterschiedliche Leitsymptomatiken auf einer Verordnung angegeben werden. Dafür sind gesonderte Ankreuzfelder vorgesehen. Damit können entweder eine oder mehrere buchstabenkodierte Leitsymptomatik(en) nach Heilmittelkatalog ausgewählt werden. Die Verordnungssoftware fügt den Klartext automatisch auf das Formular hinzu.

Alternativ kann eine patientenindividuelle Leitsymptomatik, die für die Heilmittelbehandlung handlungsleitend ist, formuliert und im Freitextfeld angegeben werden. Voraussetzung ist, dass diese Angaben der jeweiligen Diagnosegruppe zugeordnet werden können.

Dürfen mehrere vorrangige Heilmittel gleichzeitig verordnet werden?
In den Heilmittelbereichen Physiotherapie sowie Stimm-, Sprech-, Sprach- und Schlucktherapie können bis zu drei vorrangige Heilmittel gleichzeitig verordnet werden.

Wonach richtet sich die Verordnungsmenge pro Verordnungsfall?
Für jede Diagnosegruppe gibt es im Heilmittelkatalog eine „Orientierende Behandlungsmenge“. An dieser Menge sollen sich Ärzte bei ihrer Verordnung orientieren, sie können davon abweichen und sowohl weniger als auch mehr verordnen, sofern es medizinisch notwendig ist. Die "Orientierende Behandlungsmenge" gilt immer pro Verordnungsfall.

Können zwei Ärzte z.B. Orthopäde und Hausarzt parallel eine Verordnung ausstellen?
Nach der neuen Heilmittelrichtlinie beziehen sich der Verordnungsfall und die "Orientierende Behandlungsmenge" auf den jeweils verordnenden Arzt. Grundsätzlich entscheidet also jeder Arzt (unabhängig von der Fachrichtung) für sich, ob er dem Patienten eine Verordnung ausstellt.

Sind die neuen Vorgaben der Heilmittel-Richtlinie in der Praxissoftware integriert?
Die Verordnungssoftware wurde zum 01.01.2021 entsprechend angepasst und unterstützt Sie beim Ausstellen der Verordnungen.

Wo ist der neue Heilmittelkatalog online abrufbar?
Der neue Heilmittelkatalog ist in der neuen „Heilmittel-Richtlinie“ abgebildet und steht im Internet unter: www.g-ba.de > Richtlinien > Heilmittel-Richtlinie zur Verfügung. Ab Januar 2021 ist der neue Heilmittelkatalog auch in der App KBV2GO! abgebildet.

Hinweis: Die KBV und der GKV-Spitzenverband haben in einer Diagnoseliste den "Besonderen Verordnungsbedarf" definiert. In dieser Diagnoseliste sind neben dem "Besonderem Verordnungsbedarf" auch die Diagnosen des "Langfristigen Heilmittelbedarfs" aufgeführt. Diese Übersicht steht Ihnen auf der Homepage der KBV > Service > Service für  die Praxis > Verordnungen > Heilmittel > Diagnoselisten Heilmittel zur Verfügung.

Entfällt die Unterteilung der Diagnosegruppen in EX2a, EX3a, EX3b?
Ja, im neuen Heilmittelkatalog gibt es statt EX1-4 nur noch EX. Die Diagnosegruppen sind zusammengefasst worden, vor allem im Bereich der Physiotherapie (von 22 auf 13). Die Höchstmenge je Verordnung ist auf 6x/VO begrenzt.

Wurde die Ernährungstherapie in die neue Heilmittel-Richtlinie aufgenommen?
Die Ernährungstherapie war bereits und ist auch weiterhin Bestandteil der Heilmittel-Richtlinie. Neu ist, dass die Schlucktherapie als eigenes Heilmittel verordnet werden kann.

Ab wann und unter welchen Voraussetzungen ist die Verordnung von Ergotherapie durch Psychotherapeuten möglich?
Ergotherapie kann seit dem 01.01.2021 durch Psychologische Psychotherapeuten sowie Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten bei psychischen Erkrankungen sowie bei bestimmten Erkrankungen des zentralen Nervensystems und Entwicklungsstörungen verordnet werden. Der behandelnde Arzt muss informiert werden und die Verordnung ist bei Bedarf mit ihm abzustimmen.

Gibt es die Möglichkeit, auf einem Formular Ergo- und Physiotherapie bzw. und Logopädie zu verordnen?
Nein, bitte nutzen Sie jeweils ein Verordnungsformular des neuen Musters 13.

Gibt es eine Liste über ergänzende Heilmittel, die nur begrenzt im Verordnungsfall verordnet werden dürfen?
Die ergänzenden Heilmittel sind im Heilmittelkatalog unter der jeweiligen Diagnosegruppe abgebildet, z.B. bei WS (WS=Wirbelsäulenerkrankungen) sind das Wärmetherapie, Kältetherapie, Traktion, Elektrotherapie und Hydroelektrische Bäder. Sofern neben einem vorrangigen Heilmittel ein ergänzendes Heilmittel verordnet wird, richtet sich die Höchstmenge des ergänzenden Heilmittels nach den verordneten Behandlungseinheiten des vorrangigen Heilmittels.

Die ergänzenden Heilmittel Elektrotherapie, Elektrostimulation oder die Ultraschall-Wärmetherapie können auch isoliert (alleinig) verordnet werden, soweit der Heilmittelkatalog diese Maßnahmen indikationsbezogen als ergänzendes Heilmittel vorsieht.

Können Doppelbehandlungseinheiten verordnet werden?
Grundsätzlich sollen Heilmittel pro Tag nur einmal verordnet bzw. abgegeben werden. In besonderen medizinischen Fällen kann eine Doppelbehandlungseinheit gegeben werden. Die laut Katalog mögliche und vom Arzt auf der Verordnung benannte Verordnungsmenge gilt als Höchstmenge. Beispiel: Es wurden 6 Einheiten KG verordnet, dann sind 3 Doppeleinheiten möglich.

Frühförderung

Am 24. Juni 2003 hat der Gesetzgeber eine Frühförderungsverordnung (FrühV) verabschiedet, welche zum 1. Juli 2003 in Kraft getreten ist. Mehr lesen...

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